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Samstag, 14. März 2015

Das Verhalten während der Kinderwunschzeit

Anfangs dachten wir, Kinder zu bekommen ist keine grosse Sache. Von dem her gingen wir ohne Stress daran. Wir dachten, das schlägt in den nächsten Monaten gleich ein. Und wir planten so, dass wir bald zu dritt sind.

Es ging länger, Probleme tauchten auf. Der Stress wurde grösser. Ich war entnervt, da ich meine Bedürfnisse für den Kinderwunsch zurückgestellt hatte, da ich ja rechnete, nächstes Mama zu sein. Der Kinderwunsch bestimmte immer mehr unser Leben, die Planung von Unternehmungen wurde so gemacht, dass ein Kind da auch Platz hat.

Es ging noch länger, und der Kinderwunsch fing an, griff in alle Bereiche des Lebens ein. Er frass einem auf. 

Dann kam die Kinderwunschpause. Ich konzentrierte mich auf alles, was mir Spass macht und was ich schon immer mal machen wollte. Die ganzen letzten 2.5 Jahre lebte ich spontan, ging an viele Veranstaltung mit meinen Pferden, fuhr kurzfristig in die Ferien (so kurzfristig man mit einem Pferdehof und 4 Hunden noch kann ;) ), lebte in den Tag hinein und wollte einfach mir etwas Gutes tun. Natürlich kam das shoppen auch nicht zu kurz.

Dann planten wir einen neuen Versuch vor einem halben Jahr. Doch ich bin gereift, ich wollte meine Bedürfnisse nicht mehr zurück stellen. Also lebte ich weiter. Kam eine Kursausschreibung für eine Veranstaltung, die mich interessierte, meldete ich mich an. Obwohl ich wusste, das es wieder ernst wird. Ausserdem rechnete ich ja mit mehren Versuchen, bis es klappt. Nach 9 Jahren ist man nicht mehr so euphorisch. Und schwupps, hats geklappt, beim ersten Versuch. Vielleicht auch, weil meine Seele zwar den Platz für ein Kind offen hielt, jedoch sich nicht daran klammerte? Ich machte/plante nichts zur Ablenkung vom Kinderwunsch, sondern ich machte/plante es, weil ich es für mich wollte.

Jedenfalls, jetzt habe ich lauter Kurse gemeldet, die ich dann nach und nach stornieren werde, wenn die 12. SSW durch ist. Die bereits gebuchten Reitstunden wird meine Freundin mit meinem Pferd besuchen. So hat mein Pferd auch was davon :)

Freitag, 13. März 2015

Meine Zeit als Kinderwünschlerin

Heute schreibe ich mal von der Vergangenheit. Immer wieder höre und lese ich von Frauen, die fast verzweifeln, weil sie nicht sofort schwanger werden und einige Monate üben müssen. Dafür habe ich null Verständnis. Was sind schon ein paar Monate? Es besteht bei jedem Zyklus eine 20-25% Chance, dass es klappt, wenn beide Partner gesund sind und der Sex zum richtigen Zeitpunkt statt findet.

 An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass es Paare gibt, die ungewollt kinderlos bleiben, und ihr leben so meistern. Meine Cousine gehört dazu. Sie konnte mit dem Kinderwunsch abschliessen, und dafür verdient sie alle meine Achtung und meinen grössten Respekt. Sie meistert das Leben so, und ich bewundere sie sehr dafür.

Nun aber zu meiner eigenen Geschichte. Wir kommunizierten nie gross unseren Kinderwunsch. Doch anfangs, wenn wir darauf angesprochen wurden, sagten wir, ja, wir wünschen uns irgendwann Kinder. Obwohl wir uns nie fest legten, wuchs der Druck von aussen.

Ich suchte nach 1,5 Jahren üben den Frauenarzt auf, zur Jahreskontrolle und sprach mein Kinderwunsch an. Er untersuchte mich und stellte eine Tendenz zum PCO-Syndrom fest. Es wurde ein Zyklus lang die verschiedenen Stadien überwacht. Die erste Spermienprobe von meinem Mann wurde auch gemacht, und da lautete die Aussage, sie sei nicht so gut, doch 1 Spermium reiche ja. Mein Mann interpretierte das so, dass es von seiner Seite aus kein Problem gibt und kommunizierte das auch so. Empfehlung war IUI. Ok, auf gings. Beim 2 IUI klappte es tatsächlich jedoch verlor ich mein Kind in der 6. Woche. Die Trauer war gross. Ich suchte mir psychologische Hilfe.

Dann las ich mich in das Thema PCO. Ich las von Akupunktur und Ernährungsumstellung. Auf gehts, ich nahm das in Angriff. Doch es kam keine Schwangerschaft. Ich erweiterte auf Homöopathie, Schüsslersalze und und und...

So zogen Jahre ins Land. Um mich rum wurde alles schwanger. Ich stand da mit leeren Armen und gratulierte. Meine Wut und mein Selbsthass stieg. Warum ich? Warum immer ich? Ich hab trotz Missbrauch in meiner Kindheit meine Teeniezeit gemeistert. Ich hab einen schweren Autounfall mit Lungenembolie überlebt. Und wofür? Damit ich so gestraft bin für den Rest meines Lebens? Immer daneben stehen und zu sehen, wie andere schwanger werden? Was habe ich in meinem Leben verbrochen, dass mir das Glück missgönnt wird? Ich wünschte mir immer öfters, ich hätte meinen Autounfall nicht überlebt und auch Suizidgedanken kamen auf.
Als letzte Hilfe suchten wir die Kinderwunschklinik auf. Wieder starteten die Untersuchungen. Diesmal hiess es ganz klar, mit dem SG hätten wir auf natürlichem Weg eingentlich keine Chance. Da wurde mir bewusst, dass ich mich 6 Jahre gequält habe mit etwas, was zum Scheitern veruteilt war. Wir nahmen das erste IVF in Angriff. Negativ. Ich konnte nicht mehr. Es war zuviel, Es kam zum Nervenzusammenbruch und ich kam in die Klinik. Burnoutstationm 15 Wochen.  Ich begann, mich selbst zu verletzen, da ich besser mit Schmerz wie mit Gefühlen der Verzweiflung umgehen kann. Sie stabilsierten mich mit Psychopharmaka. Diagnose: postrtraumatische Belastungsstörung mit dissoziativer Komobidität. Ich gab die Hoffnung auf ein Kind auf. Ich wollte nicht mehr und sah auch keinen Grund mehr um weiter zu machen.
Mein Mann war verzweifelt und wollte mir helfen. Er drang mich zum Kyrozyklus, wir hatten ja noch 5 Eizellen eingefroren. Ich gab nach, ich wollte einfach meine Ruhe, Hoffnung war weg. Beim Auftauen gingen 2 Eizellen kaputt, es wurden dann die letzten 3 eingesetzt. Negativ. Für mich eine Bestätigung. Ich hatte Traumakonfrontationstherapie. Mein Therapeut ist super. Ich begann, meine Geschichte aufzuarbeiten, 2 Jahre lang. Es kam der Mut und die Hoffnung zurück, ich wurde stärker. Ich wollte es nochmals versuchen, den die Vorstellung ohne Kinder zu leben war schlimmer, wie die Strapazen der künstlichen Befruchtung. So nahmen wir letztes Jahr einen neuen Anlauf. Und es hat beim ersten ICSI geklappt. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich rechnete mit einem Behandlungsjahr sicher.

In der Schweiz müssen wird die künstlichen Befruchtungen selbst bezahlen, es gibt keine Beiträge der Krankenversicherung. Uns kostete der Kinderwunsch bis heute 11'000 CHF (ca. 11'000 Euro). Wir haben das Glück, dass wir uns das leisten können.
Neben der psychischen und finanziellen Belastung ist eine künstliche Befruchtung sehr zeitaufwändig. Man ist wöchentlich 1-2 beim Arzt zur Ultraschallkontrolle. Daneben muss man sich täglich zur gleichen Zeit spritzen. Die vielen Eizellen, die gleichzeitig anreifen, verursachen ein unangenehmes Druckgefühl. Die Punktion ist schmerzhaft. Der Transfer unangenehm und die Warteschleife der Horror für die Emotionen. Es ist kein Sonntagsspaziergang und man nimmt das nur auf sich, wenn man unbedingt Kinder will. Ich mag die Sprüche wie Gott spielen oder ist das wirklich notwendig nicht. Niemand macht das aus Spass mit.


Donnerstag, 5. März 2015

Ende der Warteschleife.... Und Start einer neuen Warteschleife...

Heute war Bluttest. Zu Glück fanden sie gleich eine Vene (nicht selbstverständlich bei mir) und es floss. Dann musste ich ins Wartezimmer, sie würden mich rufen. Ok. Da sass ich dann... Und wartete, und wartete.... Nach 30min wurde ich unruhig und bekam langsam Angst, dass etwas nicht stimmt.  Nach 45min kam mein Kiwu-Arzt und rief mich auf... Ok, meine Welt brach schnell zusammen. Der Arzt und nicht die Praxisasstentin, obwohl ich keinen Termin habe. Da stimmt was nicht. Das Verzweiflungsteufelchen sitzt noch immer fest auf meiner Schulter. Doch falscher Alarm. Mein HCG ist 498 14 Tage nach Transfer (SSW 4+3) und somit bin ich jetzt offiziell schwanger!!!! Ich kanns nicht glauben, auf einmal ging es extrem schnell. Der Arzt gratulierte mir, stellte einen neuen Medikamentenplan auf und fragte nach meinem Befinden. Er sagte noch, sobald Probleme wie Schmerzen im Unterleib oder Blutung auftritt, soll ich sofort vorbei kommen. Ich sprach mein Ziehen im Unterleib an und dass mich das verunsichert. Er schlug mir vor, bereits in einer Woche einen Ultraschall zu machen und nicht erst in 11 Tagen, um mich zu beruhigen. Dafür bin ich dankbar. 

Dann befinden wir uns nun in der nächsten Warteschleife... Auf zum Ultraschalltermin und nun hoffen wir fest, dass da ein Herzchen schlägt. Ich konnte sogar zeitlich so den Termin vereinbaren, dass mein Mann dabei sein kann. Nun brauchen wir wieder alle verfügbaren Daumen, Pfötchen und Hufe, die uns bis dahin unterstützen. 


Danach ging ich zu meinem Psychiater. Ich erzählte ihm von der Schwangerschaft (er war ein bisschen baff, wie schnell das jetzt ging, aber das sind wir auch) und halt auch, dass die Angst vor einem erneuten Abort da ist. Bei künstlicher Befruchtung ist das Risiko ja auch höher. 
Wir sprachen dann noch darüber, dass ich die Schwangerschaft eigentlich bis zur 12. SSW geheim halten will, doch das es bereits jetzt schwierig ist, da ich nicht mehr reite (und das ist immerhin ein Teil meines Berufes) und mein Mann sich plötzlich stark an der Stallarbeit beteiligt, da er nicht will, dass ich schwer hebe etc. Er fragte dann, wieso ich es geheim halten will. Ich sagte, falls es ein Abort gibt. Seine Antwort war dann, ja das zieht mich eh in ein Loch, das wird mein Umfeld bemerken. Und dann muss ich mich erklären. Dann kann ich es ja jetzt schon erzählen und auch die Glückwünsche geniessen, oder? Darüber werde ich mal mit meinem Mann heute Abend sprechen, was er denkt.


Dienstag, 3. März 2015

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Schon 2 Tage als Schwangere geschafft. Die Neuigkeit ist jetzt angekommen bei mir, die Vorfreude macht sich breit.

Doch nach 9 Jahren, wünschen, hoffen, verzweifeln, weinen, angst haben usw. ist man leider nicht über alle Zweifel erhaben.

Bei jedem Toilettengang kontrolliere ich genaustens, ob alles sauber ist, sprich, kein Blut sichbar.

Jedes Ziehen im Unterleib wird mit allem verglichen, was ich je gespürt habe.

Auch habe ich meinen Terminkalender für die nächsten Wochen gewälzt und mir überlegt, wo ich welche Ausrede bringe... Soll ich noch ans Geländetraining (Vielseitigkeit, Springen) mit einem meiner Pferde? Neben dem, dass dies mein Kreislauf momentan wohl kaum 2.5 Tage durchstehen würde, ist die Angst gross, dass ein Sturz vom Pferd oder mit Pferd passiert, obwohl ich seit Jahren nicht mehr vom Pferd gefallen bin. 
Wie sieht es mit dem Agility aus? Letzten Donnerstag hatte ich im Training verstärktes Ziehen im Unterleib beim Rennen.
Bei der Stallarbeit macht mein Mann alles abends, was mit schwer heben zu tun hat. 

Sind diese Anzeichen von Schwindel und ziehen im Unterleib  Warnsignale von meinem Körper, dass ich es ruhiger nehmen soll? 

Am Donnerstag kann ich in die Kinderwunschklinik. Ich habe mir eine Liste mit Fragen zusammengestellt. Ich hoffe, die Blutwerte sind gut und beruhigen mich etwas.

Auch wenn mein Bauchgefühl mir sagt, dass alles gut kommt, sitzt ein kleines Teufelchen auf meiner Schulter, welches mich daran erinnert, dass nichts selbstverständlich ist und mein Glück noch sehr zerbrechlich ist.

Montag, 2. März 2015

Schwangerschaftsanzeichen...

Seit gestern gehts richtig zur Sache bei meinem Körper... Die Umstellung der Hormone. Ich habe einen riiiiesen Pickel auf der Nase bekommen, der leuchtet wie eine rote Ampel. Ja auch sonst ist meine Haut mit Pickeln gekennzeichnet. Ich freue mich über jedes Pickelchen.

Gestern Nachmittag zog es im Unterleib, mir war schwindlig und leicht Übel. Jedoch hatte ich zum Ausreiten abgemacht und es fiel mir keine Ausrede ein. Also quälte ich mich auf den Putzplatz und sattelte meine eine Stute. Noch vor dem Aufsteigen dachte ich, na, wenn das gut geht, jetzt schwankt es dann noch dazu... Hoffentlich ko**e ich nicht vom Pferd runter. Ich stieg auf und ritt 200m2, alle Anzeichen verschwanden. Erst dachte ich, hoffentlich gibts kein Abort... Je länger wir unterwegs waren, desto besser fühlte ich mich. Das ist/sind definitiv mein/e Krümmel, sobald sie auf dem Pferd sitzen, sind sie happy ;)

Es wechselt von Schwindel, über Kopfschmerzen  zu leichter Übelkeit und heute Nacht konnte ich zeitweise nicht auf dem Bauch liegen, wegen den Brüsten. Doch ich bin so happy, über jedes kleine Anzeichen (normalerweise will ich sterben, wenn es mir nicht gut geht) und leide überhaupt nicht.

Ich freue mich auf den Bluttest am Donnerstag.

Freitag, 27. Februar 2015

Ziemlich sicher...

... hats wohl nicht geklappt. Das Ziehen in der Unterleibsregion nimmt zu, ich werde wohl meine Tage bekommen. Wieder einmal mehr...

Wie wird man den Kinderwunsch los? Warum schaffe ich es nicht, ohne Kinder glücklich zu werden? Warum sehnt sich mein Herz so danach?

Eine Zeitlang habe ich mir ernsthaft überlegt, mich unterbinden zu lassen. Damit wirklich keine Möglichkeit mehr besteht und ich mich mit der Kinderlosigkeit abfinden muss.

Im März steht wieder einmal ein Familienfest an, der 75ste meiner Schwiegereltern und goldene Hochzeit von ihnen. Ich mochte solche Feste noch nie, doch seit einigen Jahren hasse ich sie richtig gehend. Überall Kinder und die Fragen, wann es bei uns soweit ist....  Ich hab meinem Mann erklärt, dass ich nicht mitkomme. Seine Antwort war, dann werden seine Eltern enttäuscht sein. Ist mir egal, wie es allen egal ist, dass ich leide, wenn ich gehe.

Wenn alles gut geht, können wir im April einen Kyrotransfer starten.

Ich werde sicher nächsten Donnerstag die Medikamente fürs Auslösen der Mens verlangen, denn ich weiss genau, dass wenn ich mich so niedergeschlagen fühle, die sich immer verspätet. Nicht dass ich dann im März ewig warten muss.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Halbzeit...

Die Hälfte der Warteschleife ist geschafft.

Manchmal zieht es etwas unangenehm in der Unterleibsregion, doch ansonsten bemerke ich keine Veränderung. Ist das positiv oder negativ?

Ich habe beschlossen, dass ich schon zu Hause testen werde. Sicher, es besteht eine kleine Fehlerquote dabei. Ich werde am Mittwoch bereits testen, dann habe ich noch einen Tag Zeit, mich mit dem Negativ-Ergebnis abzufinden.

Donnerstags gehts zum BT. Ich habe absichtlich meine Therapiestunde auch auf dann gelegt. Erstens ist mein Therapeut in der gleichen Stadt an der gleichen Strasse wie die Kinderwunschklinik und zweitens kann ich mich so direkt ausheulen gehen.

Mein Gefühl ist eher negativ, ich schöpfe aus meinen Erfahrungen. Warum sollte es jetzt plötzlich einmal positiv ausgehen?

Manchmal dachte ich die letzten Tage darüber nach, wie es wäre, schwanger zu sein und sich auf ein Baby zu freuen. Und dann zu dritt zu leben. Und dann kommt die Stimme in meinem Kopf, die sagt, vergiss es, das wird nie passieren....

Mein Mann sagt zu mir, ich hätte es verdient. Ich hätte bereits soviel in meinem Leben durchmachen müssen, dass ich mir das Glück verdient hätte. Leider funktioniert das Leben nicht nach dem System.

Wie sagt man so schön: Ich plante mein Leben und mein Schicksal fiel lachend vom Stuhl....

Mittwoch, 25. Februar 2015

Kinderwunsch und der Einbeinige

Mein Therapeut hat mal meinen Kinderwunsch mit der Amputation eines Beines verglichen.
So sehr man sich es auch wünscht, wenn man keine Kinder kriegen kann ist es so, ein Bein wächst auch nicht anch.
Man darf über den Verlust trauern, man soll auch.
Man muss lernen, mit dem Verlust zu leben, auch wenn es immer wieder schmerzt.

Ich habe mit dem Gedanken weitergespielt und ihn auf Situationen ausgeweitet, die ich in den letzten Jahren mit meinem Umfeld erlebt habe.

1. Ist doch nicht so schlimm, andere haben auch keine Kinder.
Würde man sagen: Ist doch nicht so schlimm, andere haben auch nur 1 Bein?

2. Du musst deine Lebensumstände/Gewohnheiten ändern, so klappt das nie.
Würde man sagen: Du bist selber Schuld, dass du Auto gefahren bist und bei einem Unfall dein Bein verloren hast?

3. Nimm dir den Druck aus dem Wunsch, ein Kind zu haben.
Kann man es einem Einbeinigen verübeln, dass er sich ein 2. Bein wünscht.

4. Bis doch nicht traurig, das Leben geht weiter.
Sag das mal zu jemandem, der gerade lernen muss, mit einem Bein durchs leben zu gehen.

5. Man hat gerade frisch die Diagnose, dass es schwierig bis unmöglich wird, ein Kind zu bekommen und/oder hatte gerade ein Abort. Nun findet ein Familienfest statt, an dem von der Schwangeren, über ein Säugling bis zu Kleinkindern alles vertreten ist. Ich will absagen, erkläre, das ich das momentan nicht ertrage. Antwort der Gastgeber: Ich bin sooo entäuscht das du nicht kommst. Du musst lernen, damit umzugehen. Du kannst dich ja an einen anderen Tisch setzen.
Würde man von einer jungen Frau die gerade ihr Bein verloren hat erwarten, dass sie an eine Modeshow kommt, an der lauter hübsche junge Frauen mit 2 wunderschönen Beinen über den Catwalk stolzieren, dass sie mitkommt, wenn sie es nicht erträgt?

5. Du musst halt dein Leben so einrichten, dass es Platz für ein Kind gibt.
Richte dein Leben so ein, dass es Platz gibt für ein 2. Bein, falls es nachwächst.

6. Künstliche Befruchtung? Muss das sein? Gott spielen?
Ein Einbeiniger würde alles dafür machen, dass sein Bein nachwächst, Auch wenn nur ein Fünkchen Hoffnung besteht.

7. Man kann nicht alles im Leben haben....
Sagt der der 2-Beinige oder die Mutter / der Vater von mind. 1 Kind....

8. Dafür hast du ein Haus/ein Mann /Pferde usw.
Das ändert nichts daran, dass man über den Verlust des Beines/Kindes trauert....

9. Anderen geht es schlechter wie dir...
Das finde ich das Totschlag-Argument schlecht hin... Da bin ich einfach sprachlos über so wenig Mitgefühl.

10. Bist du wirklich überzeugt, dass du ein Kind willst, oder beugst du dich dem gesellschaftlichen Druck?
Ok, jetzt ersetze das Wort Kind durch zweites Bein.... Hört sich doof an...

Mir ist klar, dass es fürs Umfeld auch nicht einfach ist. Wenn es einen nahestehenden Menschen betrifft, was sagen? Am meisten geholfen haben mir die Menschen, die mit mir geweint haben. Ich wusste, dass ihr Mitgefühl echt ist und sie verstehen, wie ich mich fühle. Auch tröstende Gesten (in den Arm nehmen, die Hand nehmen und drücken, Taschentuch reichen) helfen sehr. Doch versucht nicht die Tränen zu unterbrechen oder Hoffnung zu machen. Trauer muss sein und Hoffnung machen kommt falsch an. Seit einfach da. Wenn ihr nicht wisst was sagen, dann schweigt.

Es hat noch weitere Parallelen zwischen dem Kinderwunsch und dem Verlust eines Beines.

Mit der Diagnose bekommt man eine "Behinderung" mitgeteilt. D.h. man weiss, dass der Körper nicht so ist, wie es sich die Gesellschaft vorstellt. Man hadert. Die einen, die bereits eh schon Mühe hatten, ihren Körper anzunehmen mehr, wie die, die ihr Ausssehen perfekt finden. Aber alle haben Mühe. Man muss wieder Lernen, seinen Körper zu akzeptieren. Und hat evtl. einen Selbsthass auf sich. Das kann Jahre dauern. Darunter leidet auch sehr das Selbstvertrauen und auch die Sexualität. Dies wirkt sich auch aufs Umfeld aus, Beziehung, Job, gesellschaftliche Unternehmungen etc.

Ich hatte 2003 einen schweren Autounfall. Eingeklemmt bis zur Hüfte (Feuerwehr brauchte 1.5h bis sie mich bergen konnte), Von der Hüfte abwärts war alles gebrochen, und ich hatte eine Lungenembolie. Ich war 1 Monat bettlägrig, war 4 Monate im Rollstuhl und musste wieder laufen lernen. Es war unklar, ob ich jemals wieder ohne Krücken gehen kann.
Heute bewältige ich mein Leben wie jeder andere auch. Mir merkt niemand was an von dem Unfall. Das einzige, was noch daran erinnert, ist der versteifte Fuss und das genietete Knie, doch auch das fällt im Alltag nicht auf.

Jeder findet meinen Autounfall unheimlich schlimm und zeigt Mitgefühl.

Doch das Thema Kinderlosigkeit sehen sie dagegen als halt dumme Gebenheit, mit der man leben muss.

Ich leide tagtäglich mehr an der Kinderlosigkeit wie an den Verletzungen vom Autounfall.


Sonntag, 22. Februar 2015

Wo ist die Hoffnung hin?

Tag 4 Warteschleife

Mein Gefühlschaos läuft und läuft. Leider macht sich das Gefühl, von wegen es hat nicht geklappt, immer stärker. Ich verliere die Hoffnung und ich frage mich wieder einmal, warum ich es einfach nicht schaffe, mich mit der kinderlosen Situation abzufinden. Andere können das auch, warum ich nicht? Meine Cousine zum Beispiel. Eigentlich sollten doch 9 erfolglose Jahre genügend aussagen? Warum quäle ich mich immer wieder so?

Ich war schon einige Male kurz vor dem Suizid, wegen diesem Thema. Weil ich es nicht mehr aushalte. Und ja, irgendwie bereue ich es gerade in diesem Moment, dass mir der Mut fehlt, es durch zuziehen.

Ich bin die letzten 2 Jahre wegen den Thema in eine Borderline-Störung gerutscht.

Ich isoliere mich immer mehr, am liebsten verlasse ich meinen Hof nicht mehr. Das ist natürlich einfach, da ich zu Hause arbeite und so relativ einfach Menschen meiden kann. Es gab Phasen, da schaffte ich es nicht einmal mehr, einzukaufen.

Ich habe alles in meinem Leben, einen lieben Mann, Haus und Hof, Traumberuf, Pferde, Hunde, finanzielles Polster, Freunde.... Immer wieder höre ich von Aussenstehenden, wie sehr sie mich beneiden, ich hätte ein tolles Leben und hätte alles, wovon die Träumen. Warum siehts dann in mir drin so schwarz und hoffnungslos aus? Warum schaffe ich es nicht, für das alles dankbar zu sein und es zu geniessen, so wie es ist, ohne Kinder?

Wir waren sogar extra in eine Paartherapie zum Thema kinderloses Leben. Hat nichts gebracht.

Adoption war auch schon ein Thema, doch weil mich das erfolglose Kinderkriegen so psychisch kaputt gemacht hat, würde ich den Psychotest nie bestehen.

Ich weiss nicht weiter. Die Tränen wollen momentan nicht versiegeln.