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Sonntag, 15. März 2015

Gesellschaftskonform?

Gestern teilte eine ehemalige Schulfreundin von mir ein Foto von ihr und ihrem Säugling auf Facebook. Ich drückte "gefällt mir" und es fiel mir auf, dass so ziemlich jeder aus unserer damaligen Klasse dies auch getan hat. Da war ich erstaunt. Ich bin mit all denen auch befreundet und noch nie ist mir aufgefallen, dass einer "gefällt mir" gedrückt hat.

Also scrollte ich bei  meiner Schulfreundin auf der Pinnwand runter, da ich wusste, dass sie vor der Mutterschaft Fotos von ihr und ihrem Hund oder beim Reiten geteilt hat. Halt so Fotos, wie ich auch auf FB teile. Bei keinem der tierischen Fotos war ein "like" von den Klassenkammeraden, ausser von mir und ihrer besten Freundin.

Das gab mir ein Stich ins Herzen. Ist man nur Gesellschaftskonform mit Kind? Andere schöne Momente sind nicht eine Beachtung wert? Dies macht den Druck für Kinderwünschler noch höher und schiebt ungewollt oder auch gewollt kinderlose noch mehr an den Rand der Gesellschaft.

Ich habe viele kinderlose Freunde, die einen wollen bewusst keine Kinder, bei einigen weiss ich, dass es nie welche gab und bei anderen ist es einfach noch nicht soweit. Ich freue mich mit ihnen über jeden schönen Moment im Leben, jeden Erfolg und jede Liebe, egal ob 2 oder 4beinig.

Samstag, 14. März 2015

Das Verhalten während der Kinderwunschzeit

Anfangs dachten wir, Kinder zu bekommen ist keine grosse Sache. Von dem her gingen wir ohne Stress daran. Wir dachten, das schlägt in den nächsten Monaten gleich ein. Und wir planten so, dass wir bald zu dritt sind.

Es ging länger, Probleme tauchten auf. Der Stress wurde grösser. Ich war entnervt, da ich meine Bedürfnisse für den Kinderwunsch zurückgestellt hatte, da ich ja rechnete, nächstes Mama zu sein. Der Kinderwunsch bestimmte immer mehr unser Leben, die Planung von Unternehmungen wurde so gemacht, dass ein Kind da auch Platz hat.

Es ging noch länger, und der Kinderwunsch fing an, griff in alle Bereiche des Lebens ein. Er frass einem auf. 

Dann kam die Kinderwunschpause. Ich konzentrierte mich auf alles, was mir Spass macht und was ich schon immer mal machen wollte. Die ganzen letzten 2.5 Jahre lebte ich spontan, ging an viele Veranstaltung mit meinen Pferden, fuhr kurzfristig in die Ferien (so kurzfristig man mit einem Pferdehof und 4 Hunden noch kann ;) ), lebte in den Tag hinein und wollte einfach mir etwas Gutes tun. Natürlich kam das shoppen auch nicht zu kurz.

Dann planten wir einen neuen Versuch vor einem halben Jahr. Doch ich bin gereift, ich wollte meine Bedürfnisse nicht mehr zurück stellen. Also lebte ich weiter. Kam eine Kursausschreibung für eine Veranstaltung, die mich interessierte, meldete ich mich an. Obwohl ich wusste, das es wieder ernst wird. Ausserdem rechnete ich ja mit mehren Versuchen, bis es klappt. Nach 9 Jahren ist man nicht mehr so euphorisch. Und schwupps, hats geklappt, beim ersten Versuch. Vielleicht auch, weil meine Seele zwar den Platz für ein Kind offen hielt, jedoch sich nicht daran klammerte? Ich machte/plante nichts zur Ablenkung vom Kinderwunsch, sondern ich machte/plante es, weil ich es für mich wollte.

Jedenfalls, jetzt habe ich lauter Kurse gemeldet, die ich dann nach und nach stornieren werde, wenn die 12. SSW durch ist. Die bereits gebuchten Reitstunden wird meine Freundin mit meinem Pferd besuchen. So hat mein Pferd auch was davon :)

Donnerstag, 5. März 2015

Bereit?

Als ich vor 9 Jahren das erste Mal den Kinderwunsch verspürte, gab es auch noch eine Kehrseite der Medaille. In meinem Kopf  drehten sich die Fragen: Sind wir bereit dazu?  Wir hatten ein Jahr zuvor unseren Hof gebaut, 6.5 Zimmer Haus mit 200m2 Wohnfläche und ich hatte meinen Arbeitsort so zu Hause. Doch reicht das?

Da es dann nicht einschlug, resp. ich noch ein Abort hatte, fing ich an, mir zu überlegen, was meine Kindheits- und Jugendträume waren.

- Ich wollte unbedingt immer mal nach Island reisen, also fuhren wir 2x hin.
- Ich wollte Pferdetrainerin und Reitlehrerin werden, mich im Reiten auf ein hohes Niveau ausbilden. Die letzten 6 Jahre besuchte ich 49 Kurse und war jedes Jahr 2-3 Monate mit Weiterbildung beschäftigt.
- Ich wollte Pferde züchten und ausbilden. Ich hatte 10 Fohlen, alle verkauft.
- Ich wollte Hunde und mit ihnen Sport machen. Wir haben 4 Hunde und machen Agility und arbeiteten an den Schafen. Ausserdem sind sie sehr gut erzogen.
- Ich wollte mit den Pferden und den Hunden in den Urlaub fahren. Auch das haben wir mehrmals gemacht.
- Ich wollte einen Pensionstall auf einem hohen Niveau, auch das haben wir geschafft.
- Ich wollte Pferde einer seltenen Rasse, auch die stehen da vor der Tür.
- Ich wollte meine Pferde gut und vielseitig ausbilden, auch das ist soweit erledigt.
- Ich habe mein Traumauto gekauft

Daneben habe ich seit meinem Burnout stark an mir gearbeitet. Meine Persönlichkeit hat sich sehr gefestigt und ich stehe für mich ein. Dazu haben wir in den 10 Jahren wo wir jetzt hier bereits wohnen, wurzeln geschlagen.

Die 9 Jahre waren hart, unbestritten, doch mit der Zeit habe ich habe sie genutzt. Ich kann mich jetzt auf mein(e) Krümmel freuen und weiss, dass ich die nächsten 15-20 Jahre ganz ihnen/ihm widmen kann, ohne dass ich irgendwelche Träume oder Wünsche zurückstecken muss. Der Nestbau ist abgeschlossen und die Selbstverwirklichung auch.

Ich bin, was ich immer sein wollte. Ich habe alles, was ich je wollte (ich weiss schon seit Jahren nicht mehr, was ich mir auf Geburtstag etc. wünschen soll...). Und ich bin frei von Ängsten, was das Muttersein betrifft.

Bessere Voraussetzungen gibt es wohl kaum, oder?